Das erste Mal…in Eschwege

20161229_154708Die Zeit zwischen den Jahren habe ich im mittlerweile vergangenen Jahr für einige erste Male genutzt.Es galt noch einiges auf meiner „Dinge-die-ich-noch-tun-will“-Liste abzuhaken. Dazu gehörte neben Arbeiten auch eine gemischte Sauna. Aber der Reihe nach….

Ich habe das erste Mal zwischen Weihnachten und Silvester einen Workshop gegeben. Der Job war ein Folgeauftrag bzw. die Fortsetzung des Workshops in Den Haag. Im Rahmen einer Winterakademie trafen sich über 50 junge Menschen mit kurdischen Wurzeln in der Jugendherberge in Eschwege. Sie teilten sich auf die Workshops HipHop, Kreatives Schreiben, Animationsfilm und Werbekampagne auf.

Letzterer war mein Workshop und hier galt es nun eine Werbekampagne für KOMCIWAN e.V., den kurdischen Kinder- und Jugendverband, zu erarbeiten.

gruppe_1Unser Start war etwas holprig, was auch wieder an meinen mangelnden Sprachkenntnissen lag. In meiner Gruppe waren ca zehn Leute, die insgesamt mindestens sieben verschiedene Sprachen sprechen, leider gab es keine, die wir alle konnten. Deswegen mussten zwei Leute aus der Gruppe abwechselnd in die jeweiligen kurdischen Dialekte übersetzen – davon gibt es vier, wie ich gelernt habe, zumindest vier Hauptdialekte, die so verschieden sind, dass man von jeweils eigenen Sprachen sprechen kann.

tafel_1Da man beim Übersetzen üblicherweise die Meinung anderer transportiert, ist die inhaltliche Mitarbeit für den Übersetzer dann eher schwierig und so war das auch bei uns. Ich habe deshalb den Organisatoren sehr ans Herz gelegt für zukünftige Veranstaltungen andere Lösungen zu suchen. Das Problem sei aber auch neu, denn erst durch die Geflüchteten hat sich der Wind gedreht. Vorher konnten alle Mitglieder deutsch und wenige kurdisch, nun können weder alle deutsch noch kurdisch. Für den Verein sicherlich ein spannendes Aufgabenfeld für die Zukunft.

kampagne_planAber zurück zum Workshop. Ich habe mit der Gruppe mit Hilfe verschiedener Methoden eine Kampagnen-Strategie entwickelt. Der zäheste Moment war sicherlich die Wahl des Slogans, aber hier hat sich das Durchhalten gelohnt. Mit „Viele Herzen, eine Stimme“ gab es am Ende einen Satz, mit dem sich – in der jeweiligen Sprache – jeder identifizieren konnte. Da die Kampagne von der Basis, in dem Fall Kindern und Jugendlichen, in den sozialen Medien transportiert werden sollte, haben wir uns für etwas einfaches entschieden: viele Porträts der einzelnen Mitglieder mit dem Slogan dazu. Es sind auch Videos entstanden, in denen die Leute dann in verschiedenen Sprachen erklären „Komciwan ist für mich…“ und danach wird wieder der Slogan – natürlich in passender Sprache – eingeblendet.

gruppe-bei-der-arbeit_aussenaufnahmeSo soll die Vielfältigkeit innerhalb des Vereins dargestellt werden. Die Kampagne funktioniert so auch über Ländergrenzen hinweg, was ja eine Anfonderung war, da es die niederländischen Partner gibt. Außdem können bestehende Inhalte, wie Filme oder Videos leicht in die Kampagne eingebunden werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Umsetzung klappt. Die liegt nicht in meinen Händen, sondern in denen des Vereins, ich bin also gespannt….

Organisatorisch gab es in meinen Augen noch einiges Potential, aber nun noch wie versprochen die Dinge, die ich zwischen den Jahren dank Komciwan zum ersten Mal gemacht habe:

  • mich doppelt übersetzen lassen (also die Übersetzung wird nochmal übersetzt, echt schwierig zu erkennen, wann man weiter reden kann…;) )
  • kurdische Tänze tanzen (ich bin grandios gescheitert, dazu fehlt mir einfach die richtige Knie-Schulter-kleiner Finger-Fuß-Koordination)
  • in eine gemischte Sauna gehen (nein, das war unabhängig von den kurdischen Jugendlichen, neben der Jugendherberge gab es ein Fitnessstudio mit Sauna, und ja, ich war tatsächlich vorher noch nie in einer öffentlichen gemischten Sauna…)
  • alleine in einem Sechs-Mann-Zimmer schlafen
  • Dinge über die kurdische Kultur erfahren

Außerdem danke auch für die Dinge, die ich sehr lange nicht mehr gemacht habe und wieder entdecken konnte:

  • im Doppelstockbett oben schlafen
  • beim Frühstücken Zeitung lesen
  • Impro-Theater-Spiele spielen

Komciwan ist für mich…ein ziemlich verrückter, sehr sympathischer Haufen junger Menschen mit viel Potential. Ich freue mich darauf, wie ihr alle in zehn Jahren die Gesellschaft verändert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *